Ein holländischer Philosoph
Für manche ist Wein ein Handwerk, für andere ein Kunsthandwerk, für Jacob Duijn ist
Weinmachen eine Lebenseinstellung. Er will Weine mit Seele entstehen lassen (produzieren
wäre hier das völlig falsche Wort), die lebendig sind und von ihrer Herkunft und
Entstehung erzählen. Sein Weg dahin ist der biodynamische Anbau und er sein vielleicht
engagiertester Verfechter in Deutschland.
Dieser Ansatz geht zurück auf den Geisteswissenschaftler und Anthrosophen Rudolf
Steiner (1861-1925). Der Unterschied zu anderen Weinbauarten ist der Einbezug von
kosmischen Kräften, Sonne und Mondphasen. Der weinberg wird als lebendiger und selbst
funktionierender Organismus angesehen. Praktisch bedeutet dies bei Duijn, dass Kräuter,
Pilze, Blumen und Kleee zwischen den Reben wachsen und unterstüzend Hornmistpräparate,
Brennesselaufgüsse und Quarzstaub verwendet. Außerdem arbeitet er nach dem Mondkalender
von Maria Thun. An Fruchttagen wird der Rebschnitt durchgeführt, an Wurzeltagen der
Boden bearbeitet oder an Neumond die Qualität unterstützend gefestigt.
Was manche als esoterische Spinnerei abtun, ist für Duijn der einzige Weg, Weine
mit Charakter, Tiefgründigkeit und Vielschichtigkeit zu vinifizieren. Tropfen wie
der auf Granitverwitterungsboden windgechützt in einem Nebental gewachsene „Laufer
Gut Alsenhof“ zeigen, dass es ihm glückt – und dass man diesen Weinen Zeit lassen
muss, wer sie hetzt, hat verloren.
Der sehr burgundische, 14 Monate im Barrique-Fass gereifte „ Laufer Gut Alsenhof“
macht es dem Genießer leicht, betört er doch mit dunklen Beerenaromen und feiner
Vanille. Er hat Kraft und ist ungekünstelt. Wie sein Macher- der aus Holland stammt.
1994 kaufte er seinen ersten Weinberg in einer extrem steilen Lage, nachdem er zuvor
unter anderem als Sommelier bei Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann gearbeitet hatte
und als Verkaufsleiter der Bremer Wein-Importfirma Segnitz gewesen war. Und heute
lebt er für Pinot Noir und feiert mit ihm die unendliche Leichtigkeit des Seins.
Schön wenn Geschichten ein Happy End haben.
Dieser Text wurde von Herr Carsten Henn geschrieben und das Buch ist bei Emons erschienen.